Montag, 6. Juli 2015

Die Buchhändlerin erzählt

Hallo ihr Lieben,

heute schreibe ich euch aus Tübingen, denn ich bin derzeit im Azubi-Laden. Für zwei Monate sind meine Kollegin und ich unsere eigenen Chefs und dürfen „machen, was wir wollen“. Das ist auf der einen Seite eine tolle Chance, auf der anderen aber auch eine große Verantwortung. Ich werde nach den zwei Monaten mal berichten, wie ich es schlussendlich fand.

... Aber darum soll es heute nicht gehen.  
Sicher erinnert ihr euch noch an meinen letzten Post, als es darum ging, welche Bücher ich nur ungern im Laden habe? HIER könnt ihr noch mal nachlesen.
Und worum könnte es dann in diesem Post hier gehen?
Natürlich um die Bücher, die ich viel lieber im Laden hätte.

Auch hier ist mir die Auswahl nicht leicht gefallen und sie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das ganz ist - wie immer - meine eigene Meinung und ich würde mich sehr über eure Meinung in den Kommentaren freuen. Aber los geht‘s:

1. Die Bücher vom Manesse Verlag. Die sind nicht nur inhaltlich toll, sondern sehen auch noch toll aus! (Besonders gut gefällt mir übrigens "Die Geschichte des Prinzen Genji". Der Original-Text dazu ist schon vor über 1000 Jahren entstanden!!! :O



2. Die Märchenbücher vom Knesebeck Verlag. Wie sehr liebe ich doch Alice im Wunderland. Und dieses Buch von Knesebeck ist einfach ein Traum.  Zwar sind nicht mehr die originalen Illustrationen enthalten, aber ich muss gestehen, dass ich diese sogar noch schöner finde. (Hier schlägt mein Bilderbuch-Herz gleich wieder höher! Robert Ingpen ist einfach ein toller Illustrator.) 




3. Mehr Bücher von BENJAMIN LACOMBE! Warum nur auf Platz 3 werden sich einige von euch fragen? Naja, ich liebe die Bücher und seinen Zeichenstil, weiß aber, dass sie auch Geschmackssache sind. Und auch wenn sie schön sind, sind sie einfach für Erwachsene. Nur wenige Kinder können damit etwas anfangen. Leider ist ein Bilderbuch in den Köpfen der meisten Menschen immer noch etwas für Kinder. Und da die Bücher von Jacoby & Stuart relativ teuer sind, werden sie eher verschenkt. Tja, und deshalb werden diese Bücher einfach viel zu wenig gekauft. 




Hier noch eine kleine Anmerkung zu Jacoby & Stuart. Ich muss gestehen, dass ich die Verlagsvorschau von ihnen durchgearbeitet habe und zutiefst enttäuscht war. Weder aus dem aktuellen Programm noch aus der Vorschau hat mich irgendetwas angesprochen. Außer Benjamin Lacombe. Und leider ist von ihm noch nichts Neues angekündigt. Sobald ich mehr weiß lasse ich es euch natürlich wissen :)

4. Die Fischer-Klassik-Reihe. Ja, das sind Taschenbücher. Aber ich finde ihre Aufmachung sehr schön. Der weiße Buchrücken mit dem Farbigen Streifen sieht einfach toll aus, vor allem wenn man die Reihe zusammen stehen hat. (Ja, das habe ich auch :D Ich spreche also aus Erfahrung.) Und ich finde 9.99€ für einen „Klassiker“, der noch dazu toll aussieht, nicht zu viel verlangt. Offenbar lesen die Leute aber einfach zu wenige Klassiker oder kaufen sie lieber als Reclam-Ausgabe. Ich glaube, auch die muss ich ab und an auf die Liste der Bücher verbannen, die ich nicht so gern im Laden habe. Für Schüler sind diese Ausgaben super. Aber wirklich etwas her machen Sie einfach nicht...
Außerdem haben die Fischer-Klassik-Ausgaben immer einen Anhang aus Kindlers-Literatur-Lexikon. Das finde ich äußerst praktisch und spricht definitiv für die Bücher.




5. Schöne Kochbücher.

Ohne viele weitere Erklärungen. Ich liebe Kochbücher (und habe sie deshalb auch für meine Wahlqualifikation gewählt) und finde, dass die Leute mehr schöne Kochbücher brauchen. Im Moment muss alles einfach nur billig sein und das finde ich traurig. Das ist nämlich genau der Weg, den Buchhandel und die Verlage in den Ruin zu treiben. 


Und jetzt mal ehrlich, ihr geht doch alle gern in den Buchladen und stöbert ein bisschen, oder nicht? Es müssen ja nicht immer die teuersten sein, aber manche Bücher verdienen einfach mehr Wertschätzung, auch wenn sie 10 € mehr kosten!



Wusstet ihr eigentlich, dass es jedes Jahr ein Katalog mit dem Titel „Die schönsten Bücher“ von der Stiftung Buchkunst gibt? Darin werden von einer Jury ausgewählte Bücher vorgestellt. Dabei geht es vor allem um das Aussehen der Bücher, aber jedes einzelne ist auch wirklich ein kleiner Schatz.


Wie immer gibt es natürlich noch viel mehr, aber ich denke diese kleine Auswahl sollte für heute genügen. Vielleicht kommt demnächst ja mal wieder ein Post dieser Art :)
Ich hoffe ihr hattet Spaß und ich konnte euch ein bisschen inspirieren.

Welche Bücher wünscht ihr euch in Buchläden? Wovon sollte es mehr geben? Und welche Bücher werden eurer Meinung nach unterschätzt?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen und freue mich auf eure Kommentare!

Viele liebe Grüße,

Kommentare:

  1. Ya' at' eeh', Nadine.
    Nachdem der Netz-Klabauter meinen Kommentar ,letztens bei Inga, verfrühstückt hat, werde ich Dir meine Gedanken zum Post wochenends wieder zusammenschrauben. Via Gedächnisprotokol sozusagen... ;-)

    Immer ein interessierendes Buch für Deine Kundschaft!

    bonté

    post scriptum:
    das "Hallo" ist diesmal in Navajo

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    1. ...die The Duke Spirit sind eingelegt, also:
      Du siehst mich bereits jetzt auf Deine Reportage "Ich & die Chefin - Personalunion!" gespannt.

      Schöne Bücher sind ein Geschenk für jeden, der Augen hat zu sehen, Hände zu fühlen & die Phantasie für den Strudel der Worte erbringt. Märchenbücher sind dafür wohl die besten Sendboten, wenn es um die ersten Schritte hinein geht.
      Zu Robert Ingpen fällt mir auf, daß seinen Figuren auch stets ein leichter Grusel des Jenseitigen beiwohnt. Beim Gang durch seine Arbeiten ist mir aber eine sichtlich träumende Leserin unterkommen, die sehr mein Gefallen fand - wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob die Stiftzeichnung überhaupt von Ingpen stammt.
      Mir erscheint seltsam, daß moderne Eltern allzugerne ihre Kinder in Watte hüllen wollen, um ja alles Negative von ihnen fern zu halten. Das Kinderbuch deshalb bitte als aseptische Wohlfühloase - wie sind Deine Eltern-Erfahrungen hier?

      Meine schulischen Reklam-Ausgaben (die erste von 1978) habe ich nach wie vor in meiner Buchsammlung; wie auch die komplette Klassenlektüre jener Jahre (u.a. Susan E. Hinton - empfehlenswert).
      Doch, Taschenbücher können auch sehr schön geraten. Weswegen ich da keine Distanz zu pflege; meine SF-Fächer bestehen nahezu aus solchen. Und über den einen bis anderen Klassiker sollte man/frau regelmäßig in einer Buchhandlung stolpern können. Allein schon, um einen verschenken zu können.

      Der Preis eines Buchs war für mich noch nie wirklich ein ausschlaggebender Grund es wieder zurück zu legen - den schaue ich mir wirklich zuletzt an, wenn ich die Summe meiner Auswahl überschlage. :-)
      Denn Bücher sollten nie zur Diskountware werden!

      Vermutlich werden viele Bücher, die etwas zu sagen haben, unterschätzt - allein bereits der schieren Menge an Veröffentlichungen wegen. Also kann man/frau im Ideal der Fälle nur darüber stolpern. Oder die Buchhändlerin bringt einem dazu zu stolpern... ;-)

      Soweit mein - sehr freies - Gedächnisprotokol.

      bonté

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    2. Lieber Robert,
      bitte entschuldige, dass ich dich so lange auf meine Antwort habe warten lassen.
      Es ist kaum zu glauben, wie abgeschnitten man sich doch von der Außenwelt fühlt, wenn man keine gute Internetverbindung mehr hat!

      Leider hast du Recht - obwohl völlig unpassend heutzutage wollen die meisten Eltern ihren Kindern weder dunkle noch gruselige oder auch nur sehr reale Bilder zeigen. Bücher ohne Happy End werden von vornherein ausgeschlossen. Und die Kinder müssen darunter leiden.
      Viele tolle Bücher verkaufen sich deshalb leider auch kaum, und das obwohl sie die Kinder interessieren und gleichzeitig pädagogisch wertvoll sind - aber Eltern wissen ja alles besser.
      Auch ich habe noch alle meine Schullektüren aufgehoben und in der letzten Zeit sogar öfter wieder in der Hand gehabt. Für die Schule waren die Reclam-Ausgaben dafür auch ideal, aber heute würde ich dann doch eher zu den Fischer-Ausgaben greifen. Auch die Hamburger Lesehefte überlasse ich lieber den Schülern und Studenten.

      Lieder bist du einer der wenigen, der Buchpreise nicht für das ausschlaggebende Kriterium hält. Genau aus diesem Grund interviewe ich in der kommenden Woche auch meinen Chef zu genau diesem Thema.

      Ja, leider werden auch die Buchhändler mit Neuerscheinung und Neuauflagen überschüttet, der ein oder andere Schatz versteckt sich aber doch immer dazwischen und wartet nur darauf gefunden - und geteilt! zu werden.

      Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag!
      Nadine

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    3. ...bekanntlich drängt sich das Leben gern regelmäßig in den Alltag. Und ein großer Umzug - selbstorganisiert - ist kein Stiel von Pappen.
      Ich denke mir bei Verzögerungen schon Dinge solcher Art, keine Sorge!
      Wenn sich der Kleinmann im Ohr meldet (Sorge!), frage ich aber auch schonmal nach.

      Bücher sind Kultur. Und die sollte uns einen festen Preis wert sein!

      Nicht wenige der Über-Eltern sind schlicht und einfach zugemüllt mit ach so schlauer Ratgeberei. Anstatt in sich zu hören, nachzudenken, aus dem Bauch heraus zu reagieren, wird aus allem zunächst ein Problem generiert für das anschließend am besten eine App abhilfe zu schaffen hat. Daß Kindererziehung kein Zuckerschlecken und mit ner Menge draufgehender Nerven verbunden ist, wollen die Uschi vons der Gesellschaft nicht einsehen.
      Zumal Perfektion eine Illusion ist!

      bonté

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